
Begutachtung eines 13,6-m-Planensattelaufliegers bei Güterschaden mit anschließender Befundaufnahme
und Abwicklung des Transportschadens

Am 23. Juni 2023 wurden wir von einem dänischen Sachverständigenunternehmen mit der Begutachtung eines Verkehrsunfalls mit Güterschaden beauftragt. Zusätzlich erfolgte die Umsetzung von Maßnahmen zur Schadensminimierung der beschädigten Buchweizenladung.
Unfallhergang: In der Nacht zog ein Sturm mit heftigen Regenfällen über das Gebiet der Landstraße in Richtung D-38162 Cremlingen, wodurch es zu erheblich beeinträchtigten Fahr- und Sichtbedingungen kam.
Ein mit 28 Big Bags (à 800 kg Buchweizen) beladener 13,6-m-Planensattelzug kam in der Folge von der Fahrbahn ab und stürzte in einen Straßengraben. Durch den seitlichen Abgang sowie den Aufprall kam es zu einer massiven Beanspruchung der Ladungssicherung und einer Verlagerung der Ladung innerhalb des Aufliegers.


In der weiteren Folge rissen 15 Big Bags auf; weitere 5 wurden beim Anheben des Fahrzeugs durch scharfkantige Metallteile beschädigt. Die Ware war in Kunststoff-Big-Bags auf Holzpaletten gestaut. Zwischen Paletten und Ladefläche waren durchgehend Antirutschmatten eingebracht. Alle Big-Bags waren mit Zurrgurten zum Niederzurren gesichert; zudem ist von einem Formschluss untereinander sowie zur Stirnwand auszugehen.

Die Ware sollte direkt vom landwirtschaftlichen Betrieb zur weiteren Verarbeitung in die Produktion verbracht werden. Aufgrund anhaltenden Starkregens sowie der nicht hermetischen Verschlussart der Big Bags drang Feuchtigkeit ein, wodurch es zu einer Durchnässung des Buchweizens kam.
Der Fokus lag auf der Sicherung der Ware sowie der Minimierung von Folgekosten.
Sofortmaßnahmen:
Innerhalb der ersten Stunde wurde ein nahegelegener Abstellplatz organisiert, um die noch intakten Big Bags zwischenzulagern. Besonders kritisch war die Situation am Folgetag: Durch Sonneneinstrahlung kam es in den durchnässten Big Bags zu einer Wärmeentwicklung und damit verbundenem „Schwitzen“. Dadurch wird die Schimmelbildung begünstigt und der Buchweizen kurzfristig selbst für eine Verfütterung unbrauchbar.


Parallel erfolgte die Koordination aller beteiligten Stellen:
- Absender: Vorbereitung einer Ersatzlieferung für die wartende Produktionsstätte.
- Fuhrunternehmen: Klärung des Einsatzes eines Ersatzfahrzeugs.
- Bergungsdienst: Auswahl, Beauftragung und Einsatz eines spezialisierten Unternehmens (Eintreffen innerhalb von 3 Stunden vor Ort).
- Polizei: Abstimmung zur schrittweisen Freigabe der Unfallstelle (eine Fahrbahn nach 2 Stunden, vollständige Freigabe nach Abschluss der Bergung).
- Reinigungsfirma: Organisation der Straßenreinigung im Anschluss an die Bergung.
- Straßenverkehrsbehörde des Landes: Abstimmung zur verkehrsrechtlichen Absicherung und Freigabe der Maßnahme.
- Straßenmeisterei: Kontaktaufnahme zur Instandsetzung der beschädigten Leitpfosten entlang der Fahrbahn

Technische Bergung & Logistik
Die beschädigten Big Bags mit Buchweizenladung wurden per Kran geborgen und zum Abstellplatz verbracht. Der verunfallte LKW wurde nach Entladung durch den Bergungsdienst aufgerichtet. Die Dokumentation des Verkehrsunfalls und der Unfallbergung erfolgte mittels foto-, video- und audioaufgezeichneter Zeugenaussagen und wurde in einem Abschlussprotokoll zur Schadensdokumentation für Versicherungen und Behörden zusammengeführt.
Der partiell durchnässte Buchweizen wurde umgehend zur Verwertung bzw. Verfütterung freigegeben, um weitere Qualitätsverluste im Rahmen des Transportschadens zu vermeiden, da keine wirtschaftlich erreichbare zertifizierte Biogasanlage zur Verfügung stand.
• Eine Ersatzlieferung stellte die Versorgung der Produktionsstätte ohne nennenswerte Verzögerungen sicher.
• Nach Abschluss der Bergungs- und Aufräumarbeiten erfolgte die vollständige Freigabe der Unfallstelle für den Verkehr.
Zusammenfassend wurden am Fahrzeug keine technischen Mängel festgestellt; insbesondere ergaben sich keine Auffälligkeiten hinsichtlich Reifenprofil, Reifendruck oder sonstiger fahrzeugsicherheitsrelevanter Komponenten.
